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experiMENTAL '96 Retrospektive Dennis Potter Eine Einführung in Potters Lebenswerk von Kenith Trodd |
[Dennis Potter] |
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Als Dennis Potter im Juni 1994 als 59jähriger
starb, galt er als der hervorragendste und eigenwilligste Autor von Fernsehspielen
(TV Drama) in Grossbritannien. Während dreissig Jahren (sein erstes
Fernsehspiel The Confidence Course wurde 1964 aufgezeichnet) war Potters
Schaffenskraft enorm: mehrere Romane, ein kleiner Berg von meist polemischem
Journalismus, gelegentliche Abstecher auf die Bühne und viele lukrative,
wenn auch meist frustrierende Arrangements mit Hollywood. Doch seine besten
Arbeiten, für welche die Kritiker immer neue Superlative suchen mussten,
waren dem Medium Fernsehen gewidmet. Potters Herz schlug für den unscheinbaren
Fernsehapparat, der in jedermanns Wohnung irgendwo in einer Ecke steht. Doch schon bevor das Medium Fernsehen Potter als Teenager zu faszinieren begann, wusste er, in welche Richtung es wohl gehen würde. Als seine Mutter ihn beim Schreiben von Hymnen überraschte und ihn fragte, 'Was wird aus dir nur einmal werden?', antwortete er voller Enthusiasmus, dass Worte für ihn eine Art Vehikel seien, die ihn forttrügen - hinaus in die Welt. Potter erklärte später, dass er Mühe habe, auf Fragen zu antworten, warum und wie er zum Schriftsteller geworden sei. Er könne sich an keine Zeit erinnern, wo er nicht in der einen oder anderen Form mit Schreiben beschäftigt gewesen sei. Der erste Höhepunkt auf dem Weg zum Autor von dramatischen Werken fürs Fernsehen waren seine beiden Nigel Barton Stücke von 1965, Stand up, Nigel Barton und Vote, Vote, Vote for Nigel Barton. Beide nahmen Bezug auf seine Entwicklung vom Arbeiterkind zum entfremdeten Studentenleben im middle- und upperclassorientierten Oxford. Vote, Vote... war eine witzige Abrechnung mit seinem Liebäugeln auf eine politische Karriere. Diese beiden frühen Fernsehspiele prägten das Muster, wie Dennis sein Material suchte und formte. Es war eine autobiographische Arbeitsweise, und von Anfang an bediente er sich der gängigen Fernsehformen und Klischees, um sie zu ironisieren, sich über sie lustig zu machen und sie ungehemmt für seine Zwecke einzusetzen. In Vote, Vote... begann Potter sein Spiel mit formalen Gestaltungsmitteln so auf die Spitze zu treiben, dass seine Arbeitgeber beim Fernsehen in Panik gerieten. Vote, Vote... etablierte auch ein anderes Muster in der Auseinandersetzung mit Potters Schaffen: Das Stück fiel am Tag seiner Ausstrahlung der Zensur zum Opfer, weil eine nervös gewordene BBC nicht das Risiko eingehen wollte, wegen eines Fernsehspiels den Zorn von verunsicherten Politikern auf die ganze BBC zu lenken. So entwickelte sich von Anbeginn ein eigentliches Syndrom von Kontroverse, Zensur und Streit um Potters Werk. 'Wieder dieser Potter!' wurde zu seinem Markenzeichen in der britischen Öffentlichkeit. Intellektuell und rhetorisch war Potter seinen Gegnern meist so überlegen, dass er in den Auseinandersetzungen über Moral in der Regel obenaufschwang. Doch nicht immer gewann er. Brimstone and Treacle wurde 11 Jahre unterdrückt. Frustriert machte er mit Geld aus Hollywood und aus dem Nahen Osten eine Version fürs Kino, die aber nie an das Original herankam, welches die BBC bis 1987 unter Verschluss hielt. Herausfordernde Originalität, Reichhaltigkeit, markante öffentliche Präsenz, ein tief verwurzeltes und hartnäckiges Bestreben, die tapfersten, exzentrischsten und manchmal grässlichsten Züge der menschlichen Existenz zu beleuchten, machen die Einmaligkeit von Potters Werk aus. Er schuf sein Werk gegen die Unbill einer schweren Krankheit, die seine schriftstellerische Karriere von Anfang an begleitet hatte. Kenith Trodd |
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| Alle Dennis-Potter-Fernsehfilme wurden freundlicherweise vom British Council zur Verfügung gestellt und werden gegen einen Unkostenbeitrag gezeigt. | |
| experiMENTAL '96 | Retrospektive | 'The Singing Detectiv' | Potters Lebenswerk | |
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