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Reading Cities
Eine Stadt-Lesung mit Texten von Fernando Pessoa und Henri Lefèbvre. Mit Musik, Geräuschen und Diaprojektion.
Zürich und Tournee Deutschschweiz 1994/1995.
Beschreibung | Presseecho
READING CITIES - EINE STADTLESUNG (1994/95)
Eine multimediale Aufführung mit UnknownmiX (Text- und Bildprojektion), Brigitte Schär (Gesang), Gido Dietrich
(Geräusche) und Kristian Krone (Sprecher). Konzept und Regie: Heinz Nigg
50 Min.
Es scheint uns, dass die Thematik der Stadt als Ort des Zusammenpralls, des Zusammenspiels und
des Nebeneinanders verschiedenster Menschen, Kulturen und Ideologien geradezu einlädt,
sie auf mehreren Ebenen des künstlerischen Ausdrucks zu bearbeiten. Durch das Zusammenspiel von
Ton, Bild und Text öffnen wir Stimmungsräume für die Auseinandersetzung mit dem Phänomen der
urbanen Gesellschaft und schüren die Lust am Entdecken und Erforschen - wie wenn man in einer
fremden Stadt am Bahnhof ankommt und sich während den ersten Tagen zuerst einmal orientieren will.
Der Aufführung zu Grunde liegt eine Beschäftigung mit Texten von John Cage, ein grosser Komponist
der Stille und des Zufalls, Henri Lefèbvre, Philosoph des Alltags und der urbanen Gesellschaft, und
Fernando Pessoa, dem einzigartigen Stadtpoeten aus dem Lissabon der 20er und 30er Jahre.
John Cage's Text, mit dem wir die Aufführung eröffnen, widerspiegelt unsere künstlerische Haltung
zu diesem Projekt: eine poetisch-sinnliche Auseinandersetzung mit Stadtkultur und urbaner Bewegung ist
nur ein einem Freiraum möglich, wo der Zufall Regie führen darf, wo sich Erkenntnisse einstellen
mögen aber nicht müssen, wo die ZuschauerInnen und ZuhörerInnen nicht nur ihre eigene Assoziationen
sondern auch ihre eigene selektive Rezeptionsweise entwickeln können. Dazu bedarf es eines sorgfältigen
Umgangs mit dem Stoff und dem Material unserer Untersuchung. John Cage: "Aber eins ist sicher. Wenn
man etwas macht, was nichts zu sein hat, muss wer es macht das Material, das er wählt, lieben und
Geduld damit haben."
Der von Henri Lefèbvre 1970 veröffentlichte Text 'Die Revolution der Städte' diente uns als Vorlage,
um daraus die für dieses Projekt wesentlichen Betrachtungen über die Entwicklung der urbanen Gesellschaft
in sechs Kapiteln zusammenzufassen. Lefèbvre begreift die Suche nach den Eigenschaften und Gesetzmässigkeiten
der urbanen Entwicklung als einen lustvollen Prozess des Forschens, an dem sich alle nach ihren
Möglichkeiten beteiligen können. Immer wieder geht er vom Einzelnen, vom Individuum mit seinen
Grundbedürfnissen aus, um dann aufzuzeigen, welche Hindernisse diesen Bedürfnissen durch die
Arbeits- und Leistungsgesellschaft in den Weg gestellt werden und wie eine zukünftige Stadtgesellschaft
beschaffen sein müsste, damit "...das menschliche Wesen als Dichter leben kann". Und doch bietet er
keine Patentrezepte an. Lösungen können nach Lefèbvre nur durch "selbsttätige Gruppen" gefunden werden,
die eine eigene urbane Praxis entwickeln. Lefèbvre: "Einige Versuche in dieser Richtung, das System
oder die Systeme der Dinge zu durchlöchern, das Unmögliche zu ermöglichen, beweisen noch nichts, weder
durch ihren Erfolg noch durch ihren Misserfolg".
Die fünf Auszüge aus dem 'Buch der Unruhe' von Fernando Pessoa sind wie Oasen und Nischen im hektischen
Stadtgetriebe, von wo aus die Stadt aus der Innensicht reflektiert werden kann - aus der Perspektive
des Flaneurs, der/die sich die Zeit nimmt, sich der städtischen Wirklichkeit auf kontemplative Weise
zu nähern uns sie dabei fein zu befühlen. Pessoa steht in dieser Aufführung für den von Lefèbvre
beschriebenen "Dichter im Menschen", der sich nicht dem zweckgerichteten Denken unterwirft, sondern
seine Neugier in alle Richtungen und in alle Bereiche der menschlichen Seele umherschweifen lässt.
Wenn Lefèbvre auf die Blindstellen des rationalen Denkens hinweist, die uns hindern den globalen
Urbanisierungsprozess in seiner Dynamik und Gesetzlichkeit wahrzunehmen, so geht Pessoa's Skepsis
gegenüber der Vernunft noch weiter. Für ihn ist der Träumer der eigentliche Tatmensch. Fernando
Pessoa: "Mein Bewusstsein von der Stadt ist im Innersten mein Bewusstsein von mir selbst."
Beschreibung | Presseecho
Presseecho
Züri-Tip (Christof Hegi): "In satten 50 Minuten ermöglicht Reading Cities, ein Multimedia-Projekt für Stimme,
Saxophon, Geräusche- und Bildermacher von fünf Kulturschaffenden, eine Reise durch unseren urbanen Lebensraum.
Eine geballte Ladung vor allem geistiger Nahrung für ein waches Publikum, dem Sehen und Hören nicht so schnell
vergeht. (...) Die Stadt als "Ort des Zusammenpralls, des Zusammenspiels und des Nebeneinanders verschiedenster
Menschen, Kulturen und Ideologien" ist ein Thema, das geradezu einlädt, es multimedial zu bearbeiten. Inspiriert
dazu haben Heinz Nigg Texte von John Cage, Henri Lefèbvre und Fernando Pessoa."
NZZ (phi.): "Die multimediale Aufführung Reading Cities - eine Stadtlesung, die im Sofakino Xenix Premiere
hatte und im nächsten Jahr auf Tournee gehen wird, ist ein Bild- und Tonereignis, das das Phänomen Stadt für
einmal nicht aus der gewohnten Sicht von oben begreift. Collageartig werden philosophische Reflexionen und
poetische Stimmungen zu einem anspruchsvollen Grosstadtgeflecht verwoben, dessen Textur vom Zuschauer in
diversen Richtungen und auf verschiedene Bezüge hin gelesen werden kann. Aspekte der globalen Verstädterung,
des privaten Raums, des pulsierenden Lebens sowie Zukunftperspektiven sind Fäden, die immer wieder aufgegriffen
und spielerisch verfolgt werden. Ein aufregender Spaziergang durch den Bild-, Text- und Klangkörper einer
Weltstadt von gestern, heute und morgen."
Beschreibung | Presseecho
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