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Dokumente > Bewegungszeitungen > Drahtzieher

Drahtzieher. Zeitung aus der Berner Bewegung der Unzufriedenen:

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Cover
Nr. 4 / März 1981
[Vollbild/278 kb]
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Nr. 6 / April 1981
[Vollbild/195 kb]
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Nr.12 / Okt. 1981
[Vollbild/215 kb]
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Nr.14 / Nov. 1981
Cover
Nr. 21 / Juni 1982
Cover
Mai 1980 - Mai 1982

Abschriften:

Artikel aus Drahtzieher Nr. 1, Dezember 1980

Reithalle - Autonom von Anfang an

Wer wie wann als erster auf sie kam, weiss ich nicht. Auf einmal war sie einfach da, die Idee, in der Reithalle ein autonomes Kultur- und Bewegungszentrum einzurichten. Fortan wurde dieses Zentrum zur zentralen Forderung der Bewegung. Wir veranstalteten Demonstrationen, lancierten eine Petition, die mit über 4000 Unterschriften eingereicht wurde, führten ein Fest durch, organisierten eine Besichtigung und in unzähligen Gesprächen vertraten und konkretisierten wir die Idee. Seit den Anfängen der Bewegung steht die Forderung nach Freiräumen im Vordergrund: Orte, an denen jeder etwas dazu geben kann und nicht nur als Rad in einer grossen Maschine, sondern frei, spontan, autonom. In der Reithalle nahm diese Forderung feste Gestalt an.

Vorstellungen konkretisiert
In der Zwischenzeit haben sich in der Bewegung die Vorstellungen über die Reithalle weiter konkretisiert: Renovation und Einrichten sollen soweit wie möglich von Leuten der Bewegung vorgenommen werden. Als Trägerschaft sieht die Bewegung die Vollversammlung der Benützer. Es soll jeder mitarbeiten und mitbestimmen können. Die Nutzung erfolgt nach den Bedürfnissen der Benützer und nicht nach einem zuvor aufgestellten Konzept. Folgende Punkte scheinen mir wichtig zu sein: Es ist klar, dass das Projekt Reithalle sehr viele Probleme aufwirft, z.B. Drogenproblem oder Kriminalität. Es stimmt nicht, dass die Bewegung diese Probleme einfach übersieht. Sie sind ja versteckt seit langem überall um uns vorhanden. Wird ein autonomes Zentrum im Sinn der Bewegung eröffnet, so kommen sie natürlich sehr offen zum Vorschein. Aber gerade dies ist eine Voraussetzung, um sie lösen zu können, und der Wille, sie zu lösen, durch Diskussion, durch gegenseitige Hilfe, durch Einbezug aller, ist in der Bewegung vorhanden. Dagegen könnte ein Zentrum mit unzähligen Auflagen, von aussen verwaltet und überwacht, diese Probleme höchstens verdrängen oder verstecken, dadurch wären sie aber noch lange nicht gelöst. Weiter ist klar, dass ein autonomes Zentrum nicht von Anfang an reibungslos funktionieren kann. Es muss dazu noch viel experimentiert, Erfahrung gesammelt und gelernt werden. Die Reitschule ist genau der richtige Ort dafür. Zumindest in der Anfangsphase ist darum vor allem von Seiten der Behörden ein grosses Mass an Toleranz nötig. In der nächsten Zeit wird sich in Sachen Reithalle einiges entscheiden. Die Bewegung muss entscheiden, ob und in welcher Weise sie auf das Projekt des Gemeinderates einsteigen will, und auch der Stadtrat muss entscheiden, wieweit er sich hinter diese Projekt stellt. Sicher ist aber, dass wir auch weiterhin mit Phantasie und Spontaneität, in Strassen- und anderen Aktionen auf die zentrale Forderung der Bewegung, ein autonomes Zentrum in der Reithalle, aufmerksam machen werden.


Ebenfalls aus Drahtzieher Nr. 1, Dezember 1980

Just another brick in the krawall

Immer wieder wird uns Unzufriedenen vorgeworfen, bei uns habe es gewalttätige "Elemente", die Scheiben zerschlagen. Man rät uns, sie hinauszuwerfen. Nein. Sie gehören zu uns. Die Gesellschaft verurteilt diese Leute, ohne zu fragen warum. Wir wollen nicht das gleiche tun wie die Gesellschaft. Wir versuchen untereinander tolerant zu sein. Wir haben alle dasselbe Ziel. Wir wollen nicht wegen ein paar Scheiben das Gemeinsame in der Bewegung in Scherben gehen lassen. Ich selber finde es weniger schlimm, eine Scheibe zu zerschlagen, als Menschen zusammenzuschlagen. Mache Berner unterstützen das Zusammenschlagen von Demonstranten durch Grenadiere oder Schläger. Ich glaube, diesen Bernern sind Scheiben wichtiger als Menschen.


Artikel aus Drahtzieher Nr. 8, Juni 1981

Um Antwort wird gebeten...

An unserer Demonstration vom 30. April haben wir in einer Resolution konkrete und auch zu realisierende Forderungen gestellt, aber bis jetzt noch keine Antwort erhalten. In altbekannter Manier drückt und windet sich der Gemeinderat um eine Stellungsnahme. Statt auf unsere Forderungen einzugehen, droht er an einer VV mit einer Razzia im PAJZ, sofern wir nicht bereit sind, gesuchte AJZler der Schmier auszuliefern. Wie nahe Razzia und Schliessung beieinander liegen, haben zuerst Zürich und dann Basel gezeigt. Beide Male war die Razzia nur ein Vorwand, eine reine Alibiübung und die Schliessung eine im voraus geplante Sache. Wir haben also keinen Grund, uns auszuruhen und abzusumpfen. Die Resolution wartet auf die Antwort und das PAJZ auf die Bestätigung der Autonomie. Es gibt wenig zu feiern. Die Existenz des PAJZ ist lediglich ein Tropfen auf einen heissen Stein, angesichts der willkürlichen, politischen Justiz, wie die letzten Prozesse bewiesen haben, angesichts der zu erwartenden Strafgesetzrevision, welche die Repression noch verschärfen wird, angesichts der nach wie vor bestehenden Demobewilligungspflicht, angesichts der AKW's, der Wohnungsnot und dem Elend der dritten Welt. Wir wollen deshalb den Jahrestag der Bewegung nicht in ein Saufgelage oder einen alternativen Folkloreumzug umfunktionieren, wie das auf ihre Art die Gewerkschaften mit dem 1. Mai getan haben! (handschriftlich eingefügte Bemerkung der Layouter: Es lebe das alternative Saufgelage!)

Das AJZ ist nicht der einzige Erfolg aus einem Jahr Bewegung. Zwar hat sich an der Demobewilligungspflicht juristisch nichts geändert, seit einem Jahr aber wagt es der Gemeinderat nicht mehr, eine Demo mit Polizeigewalt aufzulösen, nur weil sie unbewilligt ist. Wir meinen, dass heute die Diskussion um die Demobewilligungspraxis derart fortgeschritten und die Behörden derart verunsichert sind, dass jede Bewegung und jede Partei, die die ordentliche Bewilligungspflicht respektiert, einer weiteren Demokratisierung des Demorechts in den Rücken fällt. Es gibt noch mehr indirekt auf die Bewegung zurückzuführende Erfolge, wie zum Beispiel die Quartiertreffs, die neuerdings (warum so plötzlich?) wie Pilze aus dem Boden schiessen, oder die in Gang gekommene Diskussion um den Konsumterror, oder den allen menschlichen Grundsätzen zuwiderlaufende Strafvollzug. Wollen wir, dass all dies nicht bei Kritik und Diskussionen bleibt, sondern sich konkret in positiven Aenderungen niederschlägt, kommen wir nicht umhin, ständig wieder Druck zu erzeugen.

Was die Bewegung in einem Jahr an Kultur und Spontaneität entwickelte, wollen wir am 20. Juni mit viel Fantasie und Power auf die Strasse bringen, um den noch längst nicht erfüllten Forderungen Nachdruck zu verschaffen.