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Chronologie der Ereignisse > übrige Schweiz

Datum Ereignis
4. Juli 1980 Bülach. Demonstration für ein Jugendhaus. Die Bezirksanwaltschaft Bülach erhebt Strafanklage gegen acht Personen wegen Behinderung des öffentlichen Verkehrs und Teilnahme an einer nichtbewilligten Demonstration.
29. Juli 1980 St. Gallen. Seit drei Wochen treffen sich etwa 100 Leute regelmässig, um ihre Situation zu diskutieren und sich «gegen Isolation, Kaputtsanierung von Lebensräumen und den allgegenwärtigen Konsumzwang» zu wehren.
5. Oktober 1980 Zug. 200 Jugendliche stimmen an einer VV einer Resolution zu, welche die Zuger Jugendbewegung zu einer gewaltlosen erklärt. Die Zuger Jugend nimmt ein Verhandlungsangebot der Stadt an und schickt 6 Delegierte.
18. Oktober 1980 Winterthur. Am Rande einer bewilligten Demonstration von 600 bis 1000 DemonstrantInnen gegen den «Atomexport der Firma Sulzer» kommt es zu einer Schlägerei zwischen Jugendlichen und PolizistInnen.
8. November 1980 Luzern. Jugendliche treffen sich im Jugendhaus Wärchhof zu einer VV, gründen Arbeitsgruppen und diskutieren Aktionen.
15. November 1980 Luzern. 300 Personen demonstrieren gegen «herrschende Missstände im Ausbildungswesen und im Kulturbereich» sowie gegen das «Umfunktionieren günstiger Wohnhäuser in Büro- und Luxusappartementsilos».
20. Dezember 1980 St. Gallen. Nachdem eine VV im dafür vorgesehenen Lokal nicht abgehalten werden konnte, formiert sich eine Demo auf der Suche nach Örtlichkeiten für ein AJZ.
24. Dezember 1980 Burgdorf. Der Burgdorfer Stadtrat erhält Besuch von der unzufriedenen Jugend und wird durch ein Flugblatt aufgefordert, ein Jugendhaus bereitzustellen.
1. Januar 1981 Zug. Etwa 20 Jugendliche treten in einen Hungerstreik, da trotz Versprechungen kein Jugendzentrum zur Verfügung gestellt worden ist.
13. Januar 1981 St. Gallen. Der Stadtrat verkündet an einer Versammlung der Unzufriedenen, die Stadt wolle ein Lokal für ein AJZ zur Verfügung stellen. Die Trägerschaft sei frei zu wählen, der Ort dürfe aber kein rechtsfreier Raum werden und zu Klagen Anlass geben.
9. Februar 1981 Wetzikon. Auf die Druckerei des «Zürcher Oberländer» werden Farbbeutel geworfen und der Spruch «Wer nicht hören will, muss fühlen» gesprayt. Die Zeitung hat eine Woche zuvor das Foto einer Demonstrantin in Zürich publiziert, die durch ein Gummigeschoss am Auge schwer verletzt worden war. Das Foto war mit eben dieser Bildlegende versehen worden.
13. März 1981 St. Gallen. Die Jugendbewegung erhält von den Stadtbehörden ein Abbruchobjekt als AJZ. Die Übergabe wird schnell und unbürokratisch abgewickelt. Allerdings wird das Gebäude im Herbst bereits wieder abgerissen. Das AJZ wird rasch zu einem Treffpunkt mit eigener Bar, zum Veranstaltungsort für Konzerte und Filmvorführungen, sowie zum Zentrum politischer Diskussionen.
28. März 1981 Wohlen. 40 Personen besetzen ein Haus, werden aber von einer nicht genauer beschriebenen «Gruppe Jugendlicher» wieder hinausgeworfen.
30. März 1981 Wohlen. Das Haus wird von den BesetzerInnen zurückerobert. Die Erbengemeinschaft, der das Objekt gehört, stellt es während vier Wochen probeweise zur Verfügung. Die Gemeinde Wohlen befürchtet, dass Hausbesetzungen Schule machen könnten.
4. April 1981 Thun. 20 Leute ziehen durch Thun und verteilen Flugblätter. Sie protestieren gegen die Jugendhauspolitik der Stadt Thun.
18. April 1981 Baden, Aarau, Lenzburg. In Baden werden Häuser besetzt, in Aarau protestieren junge Leute gegen Häuserabbrüche und den Bau von Expressstrassen, und in Lenzburg fordern Jugendliche ein Jugendhaus.
Mai 1981 St.Gallen. Besetzung einer Reihe dem Abbruch geweihter Arbeiterhäuser und eine heftige politische Kontroverse über Wohnungsnot. Nach einem Monat werden die besetzten Häuser geräumt.
10. Juni 1981 Bülach. Zwei Männer werden wegen eines am 4.7.1980 durchgeführten unbewilligten Sit-ins für ein Jugendhaus zu bedingten Gefängnisstrafen verurteilt.
12./13. Juni 1981 Luzern. Im Abbruchquartier Buobenmatt kommt es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei wegen Nachtruhestörung. In Luzern finden fast jedes Wochenende Demonstrationen statt.
Oktober 1981 St. Gallen. Im AJZ häufen sich die Probleme mit Rockergangs und NachbarInnen. Überdies fehlen die Finanzen. Das Haus brennt völlig aus - kurz bevor der Mietvertrag ausläuft. Die St. Galler Bewegung erhält die Grabenhalle als alternatives Kulturzentrum.


Recherchen: Claudia Graf
Quellen:
Zeitungsausschnitte über die Jugendunruhen, gesammelt im Schweizerischen Sozialarchiv in Zürich. Karton: Achtziger Bewegung «Übrige Schweiz».
Verlag Saiten (Hrsg.): Saiten: Ostschweizer Kulturmagazin. Februar 2000.